Glaube in der Galerie

Wenn Kirchengebäude regelmäßig für Kunstinstallationen und Ähnliches genutzt werden, dann darf in der Berliner Gemäldegalerie im Kulturforum am Potsdamer Platz auch einmal vom christlichen Glauben die Rede sein. In der Langen Nacht der Museen stelle ich zusammen mit Therese von Hesler für den Kaiser-Friedrich-Museums-Verein ein Gemälde aus dem 15. Jahrhundert vor: Die Messe des Heiligen Antonius von einem unbekannten norditalienischen Meister.

Das Werk war ursprünglich Teil eines Bilderzyklus mit Darstellungen aus dem Leben des heiligen Wüstenvaters Antonius. Der abgebildete Szene bezieht sich auf das legendäre Bekehrungserlebnis des Antonius: Als junger Mann habe er eine Heilige Messe besucht und fühlte sich dabei von den Worten des Evangeliums so getroffen, dass er alles verließ, um in der Wüste ein Leben der Einkehr und des Gebets zu führen.

Faszinierend an dem Gemälde sind die verschiedenen Ebenen von Ort und Zeit, die es bietet: Thema ist das späte 3. Jahrhundert in Nordägypten doch die Ansicht entspricht der Kathedrale von Sienna im 15. Jahrhundert – während der Betrachter in einem Berliner Museum des 21. Jahrhunderts steht. Die dargestellte Messfeier entspricht den Gewohnheiten der mittelalterlichen Klerikerliturgie allein mit Priester und Altardiener; zur Zeit des Antonius würde man eher eine kleine Gemeindeversammlung in einem Privathaushalt erwarten. Welcher Form ein heutiger Pfarrgottesdienst mehr entspricht, kann wiederum sehr verschieden ausfallen.

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