Die Mönche von St. Salomé und der Trost des Gebets

Einmal, als besonders harte Zeiten das Land heimgesucht hatten und die Menschen viel Kummer leiden mussten, fanden sich drei Leute in der Abtei ein. Sie waren früher nie übermäßig fromm gewesen, doch hatten sie gehört, dass ein fester Glaube und die Einkehr im Gebet oft Wunder wirken und reichen Trost zu spenden vermögen. Ein Bruder nahm sich der Pilger an – es waren ein Gaukler, eine Köchin und ein Barbier – hörte sich ihre Sorgen an und versprach, sie in erbaulichen Übungen anzuleiten, um ihnen neuen Lebensmut zu geben.

Früh am Morgen begannen die drei unter der Aufsicht des Mönches mit dem Studium der Schrift und lassen abwechselnd Verse aus dem Buch Ijob. Wohl fanden sie ihre eigene Lage darin recht gut wieder, doch so recht aufrichten konnte sie das nicht. Am Nachmittag ließ der Bruder sie die Psalmen beten, besonders jene, die aus der Tiefe zu Gott schreien und klagen. Auch diese Gebete sprachen den drei durchaus aus dem Herzen, aber ihr Schicksal erschien ihnen dennoch kaum leichter. Am Abend schließlich betrachteten sie mit ihrem Lehrmeister den Kreuzweg und machten sich alles bewusst, was Christus um der Menschen willen auf sich genommen hatte. Doch auch hier spürten sie zwar, wie das Leiden des Herrn sie berührte, jedoch gab es ihnen nur wenig Frieden.

Am nächsten Tag ließen sie ihre Gastgeber wissen, dass es wohl keinen Sinn habe – der Glaube und das Gebet konnten ihnen nicht helfen. Doch bevor ihr erfolgloser Lehrmeister sie verabschiedete, richtete er noch eine Bitte an sie: „Auch wenn ich euch nicht von Nutzen sein konnte, so seid doch bitte so gut, mir einen kleinen Dienst zu erweisen. Seit Jahren bin ich in immer schlechterer gesundheitlicher Verfassung, und da ihr euch doch mit den Dingen des Leibes auskennt, mögt ihr mir vielleicht euren Rat geben. Gerne beherbergen und verköstigen wir euch dafür auch eine weitere Nacht.“

Die Pilger, die zwar enttäuscht, aber nicht undankbar waren und dem Mönch gerne zumindest seine Mühe vergelten wollten, willigten ein. Der Gaukler zeigte ihm eine Reihe von Leibesübungen, um seine Statur zu kräftigen, die Köchin verordnete ihm einen genauen Speiseplan mit ausschließlich gesunder Nahrung und der Barbier überließ ihm einige Seifen und Salben, um Haut und Haare zu pflegen.

Als sie am nächsten Tag endgültig aufbrechen wollten, dankte ihnen der Bruder für ihre Bemühungen, fügte jedoch seufzend hinzu: „Nur leider hat es alles nichts genützt. Meine Muskeln sind immer noch schlaff, mein Bauch zu fett und Haut und Haare schon wieder schmutzig und spröde.“ Da schüttelten die drei den Kopf und erklärten ihm, einer den anderen unterbrechend, dass es so schnell ja nun auch nicht gehe. Beharrlich müsse er seinen Körper üben, Tag für Tag sich gesund ernähren und regelmäßig Seifen und Salben verwenden. Mit einem Mal sei es da nicht getan, sondern die Hilfsmittel wirkten nur, wenn sie ein fester Teil seines Lebens würden. Da nickte der Mönch bedächtig und sagte, was die drei wohl schon selbst ahnten: „Ebenso ist es mit dem Gebet.“

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