Alle sollen eins sein

ReicherJuengling

Seit es Spaltungen in der Kirche gibt, exisitiert auch die Sehnsucht, wieder zusammen zu finden. Zusammen mit der KAB der Gemeinde Herz Jesu in Berlin-Zehlendorf frage ich nach historischen Versuchen konfessioneller Einigung und aktuellen Trends.

  • Eine Karrikatur aus der Initiative „Ökumene in der Mitte“ stellt zu Beginn bildlich dar, worum es geht: Über die Tatsache der Trennung hinaus eine neue Perspektive in Richtung Gemeinsamkeit entwickeln.
  • Das Impulsreferat geht auf das katholische Modell der Rückkehrökumene ein sowie auf verschiedene Formen der protestantischen Kirchenunion. Anschließend werden einige jüngere Ansätze vorgestellt, die eher eine versöhnte Verschiedenheit anstreben als eine volle Kircheneinheit auf hierarchischer Ebene. Thesenpapier (.pdf)
  • Die Diskussion wird durch eine weitere Karrikatur eingeleitet, die das Paradox der bisherigen Bemühungen um Einheit zeigt: Je näher man zusammenrückt, desto deutlicher tritt das Trennende hervor. Bei aller inhaltlichen Nähe bleibt letztlich doch die Spaltung in den Strukturen sichtbar.
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Frauenpower

kfdkdfbIm Zentrum des Podiums ein Stuhl mit der Aufschrift: „Für alle Frauen, die ihrer Berufung nicht nachkommen können“. Die Symbolik des leeren Stuhls ist verwirrend – Ist der Stuhl leer, weil es solche Frauen nicht gibt? Oder wenn doch, weil keine von ihnen anwesend ist? Oder weil sie sich selbst auf einer Veranstaltung katholischer Frauenverbände nicht trauen hervorzutreten? Die Veranstaltung „Frauen. Macht. Kirche“ bietet bei aller Prominenz jedenfalls keine Frauen, deren Berufungen brachlägen. Entsprechend handeln auch die Redebeiträge vor allem davon, wie gut doch alles im Grunde schon läuft für Frauen in der Kirche. Michaela Labudda freut sich über ihre Gestaltungsmacht als Gemeindereferentin und Vorsitzende ihres Berufsverbands. Professor Thomas Schüller verweist auf die vielen Möglichkeiten des geltenden Kirchenrechts, die noch gar nicht ausgeschöpft werden. Und Anne Rademacher wünscht sich als Leiterin eines bischöflichen Seelsorgeamts eigentlich nur noch etwas mehr Selbstverständlichkeit. Auch bei der Zulassung von Frauen zum Diakonat geht es den Diskutanden nur noch um Detailfragen. Schüller wünscht sich eine genaue Definition der pastoralen Kompetenzen. BDKJ-Bundespräses Dirk Binger hält die Differenzierung vom Priesteramt für schwer vermittelbar. Und Bischof Franz Bode denkt schon einmal laut über eine Ausbildungsordnung nach. Der allgemeine Optimismus liegt vielleicht auch daran, dass anstelle der tatsächlich Betroffenen nur ein leerer Stuhl auf dem Podium steht.

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Brücken der Barmherzigkeit

khorchide

Barmherzigkeit ist ein Thema, das auf dem Katholikentag nicht nur Christen bewegt. In der Leipziger Volkshochschule moderierte P. Tobias Specker eine Diskussion zwischen der Religionswissenschaftlerin Irene Schneider und dem islamischen Theologen Mouhanad Khorchide. Dessen Studie „Islam ist Barmherzigkeit“ hat international sowohl in der muslimischen Glaubensgemeinschaft als auch darüber hinaus für Aufsehen und Beifall gesorgt, aber auch für Kontroversen und Widerspruch. Auch auf dem Podium gingen die Meinungen gelegentlich auseinander. Schneider vermisste auch im modernen Islam noch Fortschritte in der Geschlechtergerechtigkeit und plädierte dafür, an alternative Lehrtraditionen der Koranauslegung aus der Geschichte anzuküpfen. Khorchide legt dagegen Wert auf den einzelnen Gläubigen mit seiner Gottesbeziehung. Auch die Offenbarung Gottes im Koran müsse man als dialogischen Prozess verstehen, nicht als einseitige Instruktion. Eine Nachahmung der Entwicklung im Christentum wollte er darin ausdrücklich nicht sehen, war sich jedoch mit Schneider darüber einig: Entscheidende Impulse zur Erneuerung des Islam brauchen einen geschützten Freiheitsraum, wie ihn die europäische Demokratie bietet.

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Klare Herzenssache

herz

Ein Benediktiner, eine Zisterzienserin, eine Gemeindereferentin und ein Jesuit antworten auf die Frage: Wofür schlägt dein Herz? Es soll natürlich um geistliche Berufungen gehen im Jugendbereich auf dem Katholikentag. Vorausgesetzt wird, dass die Entscheidung für das Ordensleben ebenso wie für einen Beruf der Kirche vom Herzen getroffen wird. Und tatsächlich: Von einem kühl berechneten, logisch vorgegebenen Weg mit Gott erzählt hier niemand. Bruder Ignatius lernte sein Kloster beinahe zufällig durch ein Freiwilliges Soziales Jahr kennen. Martina Dautzenbergs Eltern wissen bis heute nicht so richtig, was sie für einen Beruf hat. Schwester Laetitias Herz schägt unter anderem auch für PS-starke Rennmotorräder. Und Pater Brauniggers persönlicher Weg mit Gott begann vor vielen Jahren ausgerechnet bei der hübschesten und nettesten Mitstudentin des ganzen Hochschuljahrgangs. Gleichermaßen Herzrasen verursachen allerdings bei allen vier die jeweiligen Kollegen im Ordens- oder Gemeindeleben – manchmal vor Ärger, manchmal vor Freude.

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Deine Mundart verrät dich!

kirchisch

Die Kirche spricht eine Sprache, die kaum noch verstanden wird. Selbst viele christliche Wörter aus der deutschen Sprache wirken heute exotisch, altertümlich oder missverständlich – Gnade, Heil, Sünde, Opfer… wie können wir noch verständlich machen, was wir eigentlich meinen? Denn einfach streichen lassen sich solche zentralen Begriffe des Glaubens nicht, finden auch die Veranstalter der Werkstatt „Sie sprechen kirchisch“, P. Bernd Knüfer, Regina Nothelle und Prof. Winfried Eberhard. Einen konkreten Lösungsvorschlag für die Sprachverwirrung haben sie allerdings nicht. Da geht jedesmal ein befreites Lachen durch das Auditorium, wenn ein weiterer Begriff fällt, den wir alle nicht so einfach erklären könnten. Beruhigend, dass es den anderen auch nicht anders geht! Oder nicht doch eher beunruhigend? Ein Impuls aus dem Publikum findet leider nur wenig Beachtung: Begriffe nicht erklären oder übersetzen, sondern wieder ganz praktisch erlebbar machen; barmherzig sein, statt Barmherzigkeit zu definieren.

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Das Feuer weitergeben

neymeyr

Mit Firmbewerbern und Neugefirmten aus ganz Deutschland traf sich im Rahmen des DKT der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr. Auf dem Leipziger Wilhelm-Leuschner-Platz erzählte er auf der Bühne von seiner Erfahrung als Ministrant und Pfadfinder im Zeltlager: „Nachts habe ich oft den Sternenhimmel beobachtet“, erzählt er und versteht seitdem, warum auch der Psalmist Gott angesichts der überwältigenden Schöpfung fragt: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst? (Ps 8,5) Für die Firmanden geht es weiter mit Neuer Geistlicher Musik, Flashdating, Fürbitten per What’sApp und der Aufforderung: Seid Feuerstarter! Gebt das Feuer des Heiligen Geistes weiter, das die Firmung in euch entzündet!

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Von Mensch zu Mensch

fronleipzig

Das Hochfest des Leibes und Blutes Christi feierte Erzbischof Heiner Koch heute mit tausenden Katholiken auf dem Leipziger Augustusplatz. Anders als wenn Fronleichnam oft als streng konfessionelles, theologisch schwer verständliches und altertümlich wirkendes Fest erscheint, waren hier unter dem freien Himmel der Messestadt wirklich alle angesprochen. Ausdrücklich wandte sich Koch in seiner Predigt an die Menschen, die den christlichen Glauben nicht teilen und rief ihnen von Herzen zu: „Wagen Sie es mit Gott! Gott fragt jeden Menschen: Wo bist du? Antworten Sie ihm: Hier bin ich!“ Ob sein eindringlicher Appell auch wahrgenommen wurde? Zumindest die Sicheitskräfte auf den angrenzenden Dächern hatten beste Sicht auf ein Glaubenszeugnis, das in Leipzig bei weitem nicht zum Alltag gehört.

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